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Himmelfahrtstpredigt 2020

Liebe Himmelfahrtsgemeinde,

Gnade sei mit Euch und Frieden von Gott, der da ist und der da war und der da kommt! Amen.

wie schön dass wir unter freiem und offenem Himmel zusammen sind! Auf Vieles haben wir schon in den vergangenen Wochen verzichtet und wir müssen vielleicht auch weiter Verzicht oder das Fasten üben. Ich weiß nicht wie es Ihnen persönlich geht: Ich kann dieser Corona-Zeit auch Gutes abgewinnen:

                1. Es breitet sich eine schöne Stille aus. Weniger Motorenlärm ist zu hören, nicht auf der Straße und nicht am Himmel.
                2. Der Himmel rückt näher, die Luft ist klarer und sauberer.
                3. Die Bodenständigkeit, das "auf dem Teppich bleiben" zu müssen, tut mir gut. Die Urlaubswünsche bleiben bescheiden und die persönlichen Ansprüche wachsen nicht bis in den Himmel.

 

Reinhard Mey hat 1974 einen Ohrwurm geschrieben: „Über den Wolken...“ Er hat dabei an den Flughafen Wilhelmshafen-Mariensel gedacht, auf dem er seinen Pilotenschein errungen hat. Er weiß also wie es über den Wolken so aussieht. Mittlerweile ist er auch schon 78 Jahre alt, also weise und erfahren, auch mit Leid vertraut, wenn ich an seinen verstorbenen Sohn Maximilian erinnere, der 5 Jahre im Wachkoma gelegen hat.

Hans Vogel traut sich den Refrain mit uns zu singen, dann allein die Strophe 1 und dann noch einmal mit uns zusammen des Refrain:

"Wind Nord/Ost, Startbahn null-drei. Bis hier hör' ich die Motoren Wie ein Pfeil zieht sie vorbei. Und es dröhnt in meinen Ohren Und der nasse Asphalt bebt wie ein Schleier staubt der Regen bis sie abhebt und sie schwebt. Der Sonne entgegen."

Refrain: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann: Würde was uns groß und wichtig erschein'. Plötzlich nichtig und klein

Ja, liebe Gemeinde, wir sehnen uns nach der Freiheit, grenzenlos in Europa und darüber hinaus wieder unterwegs sein zu können, Freiheit sich ohne Sicherheitsabstand begegnen zu können, nach der Freiheit ohne Nase-und Mundschutz, und nach der Freiheit entscheiden zu können, jemanden zu umarmen und die Hand zu schütteln oder eben nicht.

Und die Angst vor einer Ansteckung neben der Sehnsucht nach Freiheit? Auch sie ist da und wir leben immer mit ihr, einer Angst die uns auch vor verschiedenen Gefahren warnt, die aber nicht immer und ewig unser Leben bestimmen soll.

In diesem Empfinden, mit den Gefühlsschwankungen, vielleicht "himmelhoch jauchzend" oder gar "zu Tode betrübt", so sind wir miteinander hier, heute und weltweit verbunden:

verbunden in der Sorge und in der Angst. Wir sind verbunden in der Hoffnung und in der Sehnsucht, dass der Himmel auf die Erde kommt, dass alles himmlisch gut wird und wir wie im 7.Himmel den Sommer erleben können.

Und wir singen wiederholt:

Refrain: „Über den Wolken...“

Die gehörte Apostelgeschichte erzählt die Himmelfahrt, den Abschied Jesu sehr plastisch:

gleichsam als würden die Freunde und die Freundinnen Jesu, die, die ihn als den Auferstandenen seit dem Ostersonntag erlebt haben, ganz nah ohne Sicherheitsabstand und mit körperlichen Berührungen wie Thomas, der seine Finger in Jesu Wundmale legt,

als würden sie auf dem Flughafen stehen mit gemischten Gefühlen:

traurig, Abschied nehmen zu müssen von dem geliebten Freund, Bruder, Menschensohn und Chef Jesus Christus, der da ins Ungewisse und ohne Garantie auf eine Wiederkehr abhebt und durch die Wolken verschwindet.

Und gleichzeitig oder abwechselnd fühlen sie sich getröstet:

Jesus geht ja nicht irgendwohin sondern zu seinem Vater. Er ist nicht mehr nur in und um Jerusalem oder am See Genezareth unterwegs, sondern sitzt jetzt hoch und erhaben, zur Rechten Gottes. Er hat den Überblick und die Macht und die Herrlichkeit über die ganze Welt. Er lebt in uns gegenwärtig und in der Erinnerung und ist bis heute und weiter bei uns, alle Tage. So hat er es versprochen und so hält er was er verspricht und ist erfahrbar.

Hoffnungsvoll und zuversichtlich sind die Jüngerinnen und Jünger trotzallem und alledem:

weil sie wissen, dass der Heilige Geist, der Tröster, der der uns durch und durch und durch durchdringt wie unser Atem, der weht wo er will, unberechenbar aber heilvoll, stärker und ganz anders, nicht bewusst verletzend und tödlich schwächend wie das Corona-Virus,

zuversichtlich sind sie, dass der Heilige Geist zu Pfingsten kommt, auch durch die Angst, in die Angst, worauf das alles hinausläuft und was das soll, wenn sich alle plötzlich trotz verschiedenster Sprachen verstehen, brennend und nicht ausgebrannt, und eher an Trunkenheit zu denken ist, statt an Begeisterung.

Hans singt die 2.Strophe:

"Ich seh' ihr noch lange nach. Die dunklen Wolken erklimmen. Bis die Lichter nach und nach. Ganz im Regengrau verschwimmen. Meine Augen haben schon
jenen winz'gen Punkt verloren. Nur von fern' klingt monoton: Das Summen der Motoren."

Alle:

"Über den Wolken. Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.Alle Ängste, alle Sorgen sagt man, blieben darunter verborgen und dann: Würde was uns groß und wichtig erschein, plötzlich nichtig und klein."

Liebe Gemeinde,

der Abschied Jesu von der Erden und das Ankommen Jesu im Himmel. Und das versprochene Dasein und Wiederkommen. Das sind uns vertraute Vorstellungen der Bibel:

das Oben, der Himmel und das Unten, das Irdische: Das Unendliche, das Ewige und das Himmlische ohne Ende, ohne Corona, ohne Trennungsschmerz und ohne Ängste und Sorge, das einfache Glück,

und das Irdische, die vergebliche Mühe und Arbeit oder die Arbeitslosigkeit jetzt in der und nach der Corona-Krise, die Trauer um durch und mit dem Virus Verstorbene,

aber auch die Freude an neuer Gemeinschaft ist uns vertraut, die Erinnerung an die strenge Häuslichkeit, an de Abstände und die Neuentdeckungen im Vogelgezwitscher, die Genesung nach der Infektion und der schönen Augenblick gemeinsam,heute und hier.

Wir hören noch einmal Hans Vogel mit Reinhard Mey und singen noch einmal unsere himmlischen Vorstellungen mit dem Refrain: „Über den Wolken...“

Hans:

"Dann ist alles still, ich geh'. Regen durchdringt meine Jacke. Irgendjemand kocht Kaffee in der Luftaufsichtsbaracke. In den Pfützen schwimmt Benzin, schillernd wie ein Regenbogen, Wolken spiegeln sich darin. Ich wär' gern mitgeflogen."

Alle:

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein,
alle Ängste, alle Sorgen sagt man,
blieben darunter verborgen und dann:
Würde was uns groß und wichtig erschein',
plötzlich nichtig und klein.

Liebe Gemeinde,

wir erleben einen Schwebezustand Jesu, dem Menschen-und Gottessohn als der den Himmel und die Erde Verbindende.

Für uns ist vieles in der Schwebe, im Nebel und nicht planbar. Das ist unsere spürbare Situation, ganz irdisch und doch auch himmlisch am Himmelfahrtstag, zwischen Ostern und Pfingsten.

Lasst uns weiter die Füße auf dem Boden halten, das Nötige tun oder eben lassen, und lasst uns nach dem Himmel Ausschau halten, dem Himmel, der über allen aufgeht, auf alle über und über allen auf!

Und der Friede Gottes, der größer ist als all unsere Vernunft und der so weit reicht wie der Himmel, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen